Sorgenfalten bei den Verkehrsunternehmen: Der nach wie vor sehr hohe Dieselpreis wird zum 01. September erneut in schwindelerregende Höhen steigen – zu diesem Zeitpunkt endet die auf drei Monate befriste Reduzierung der Energiesteuer. Die Energiesteuer auf Diesel steigt dann wieder auf 47 Cent je Liter; in den zurückliegenden Monaten lag diese bei 33 Cent pro Liter. Der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) fordert die Politik nachdrücklich zu konkreter Unterstützung auf und warnt vor Stillständen nicht nur beim Schülerverkehr.

„Im Herbst wird es ernst – das sagen wir schon seit Monaten.“ Yvonne Hüneburg, Stellvertretende WBO-Geschäftsführerin, ist wie die ganze Branche den Krisenmodus leid. Corona-Pandemie, Ukraine-Krise, Dieselpreisexplosion: „Es ist Zeit für gute Nachrichten.“
Dazu braucht es primär eine Landeslösung für die vollständige Übernahme der Dieselmehrkosten. Zwar gibt es in etlichen Landkreisen individuelle Lösungsansätze, je nach Aufgabenträger. Doch der WBO hält diesen Flickenteppich für unzumutbar. „Es kann doch nicht sein“, so Hüneburg, „dass das Zufallsprinzip entscheidet, ob Verkehrsunternehmen die dringend notwendigen finanziellen Mittel für den Ausgleich der Dieselmehrkosten erhalten oder nicht – je nachdem, in welchem Landkreis ein Unternehmen sitzt.“

Die Konsequenzen sind spürbar: Im Zollernalbkreis hat eine Bietergemeinschaft aus drei Unternehmen ihre Subunternehmerleistungen in drei Linienbündeln zum 11. September gekündigt – in Reutlingen drohen sieben (!) Verkehrsunternehmen ebenfalls mit der Kündigung ihrer (Subunternehmer-) Leistungen. Zum 01. September. „Subunternehmer sind in dieser Krise am Schlimmsten dran“, zeigt Yvonne Hüneburg auf, „als schwächstes Glied in der Kette sind sie rein vom Auftraggeber abhängig.“

Die Misere wird aus Sicht des WBO auch Folgen für die Fahrgäste haben: Die Tickets werden teurer werden. Preisanpassungen sind aus Sicht des Verbandes als Konsequenz unumgänglich. „Wir haben massive Kostensteigerungen in allen Segmenten“, betont Ulrich Rau, ÖPNV-Vorstand des WBO und Geschäftsführer der OVA, OVA-Omnibus-Verkehr Aalen, Dipl. Ing. Rau GmbH + Co KG. „Es wäre unternehmerischer Selbstmord, in einer solchen Situation die Tarife unangetastet zu lassen.“ Mit der Folge, dass ein Betrieb nicht mehr wirtschaftlich darstellbar sei und den Markt verlasse. „Das sollte im Sinne des Gesamtsystems ÖPNV unbedingt vermieden werden.“

Der Verband und seine 320 Mitgliedsunternehmen sehen ungeachtet der aktuell zappendusteren Situation Positives: „Wir sollten diese Energiekrise als Chance für den ÖPNV begreifen“, meint Yvonne Hüneburg. „Gerade im Vergleich zum Pkw lohnt sich JETZT ein Umstieg in den öffentlichen Nahverkehr!“ Hilfreich dafür wäre es, die Maskenpflicht abzuschaffen und auf freiwillige Basis zu stellen. „Es ist nicht nachvollziehbar, wenn die Menschen auf dem Cannstatter Volksfest zu Tausenden ohne Maske im Zelt feiern und dann später im ÖPNV die Maske aufsetzen müssen.“ Das wird vom Fahrgast im öffentlichen Personennahverkehr aktuell nicht mehr akzeptiert – und ist kontraproduktiv für den dauerhaften Umstieg auf die Öffentlichen.

Der WBO bleibt dran.

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