Die Geschichte des Omnibusverkehrs und die Gründung des WBO: Von der Entstehung bis zur Gegenwart.

Die ersten Omnibusse waren motorisierte Postkutschen. Anstelle zweier lebendiger Pferde vor der Kutsche ratterte hinter der Vorderachse eine Maschine mit der Leistung von zehn Pferdestärken. Und auf dem Bock darüber vertauschte der Kutscher die Zügel mit einem Lenkrad.

 

 

Zur Entstehung

1898 Eroeffnung Linie Kuenzelsau Mergentheim Daimler Buch1 S13 webSo war das vor über hundert Jahren, als am 1. Oktober 1898 ein Daimler Viktoria die erste süddeutsche Omnibuslinie von Künzelsau über Dörzbach nach Mergentheim eröffnete. Der Motorwagen mit Platz für zehn Reisende schaffte die etwa 30 Kilometer lange Strecke mit Höhenunterschieden von bis zu 150 Metern in zwei Stunden und 55 Minuten.

 

Doch die anfängliche Begeisterung, aber auch Skepsis, wichen bald einer heftigen Fehde zwischen Befürwortern und Gegnern. Witterungseinflüsse und Straßenschäden, vor allem aber technische Defekte, verursachten immer wieder Verspätungen und Betriebsunterbrechungen. Die Probleme der neuen Technik waren einfach nicht in den Griff zu bekommen.

 

Und so erging es schließlich der Motorwagenbetriebsgesellschaft Künzelsau - Mergentheim wie der Omnibuslinie Siegen - Netphen - Deutz, der ersten in Deutschland überhaupt, die zwei Jahre vorher aufgeben musste. Am 15. Juli 1899 wurde der Linienbetrieb eingestellt. Damit war der zweite Versuch dieser Art in der Geschichte des Automobils gescheitert. Die Pferde mussten wieder aus dem Stall geholt werden. Immerhin markierte das Künzelsauer Experiment, dem nach einigen Jahren erfolgreichere Liniengründungen folgten, den Beginn der Geschichte des privaten Omnibusgewerbes in Südwestdeutschland.


Es ist letztlich eine Erfolgsgeschichte, allerdings mit vielen Höhen und Tiefen und unterbrochen durch zwei Weltkriege.
In den zwanziger Jahren wurden immer mehr Arbeiterlinien eingerichtet, um Pendler, wie wir sie heute nennen würden, von entfernt gelegenen Wohnorten zu städtischen Arbeitsplätzen zu transportieren, die für sie bisher nicht erreichbar waren. Sie wurden zunächst in Lastwagen, die oftmals vorher im 1. Weltkrieg gedient hatten und die gleichzeitig dem Gütertransport dienten, befördert. Eine verbilligte Arbeiterwochenkarte war bereits in früheren Jahren eingeführt worden.


1905 Linie Gernsbach BadenBaden Buch1 S25 web2Schon vor dem Ersten Weltkrieg begann auch der Reiseverkehr. Mit "Lustfahrten für Gesellschaften", mit Tagestouren und Ausflugsfahrten ließ sich mehr Geld verdienen als auf Linien mit vorgeschriebenen Preisen.
Auch eine Art TÜV gab es schon. Eine Württembergische Verordnung von 1928 schrieb vor, dass Linienfahrzeuge wenigstens einmal pro Jahr durch Sachverständige auf ihre Betriebssicherheit hin überprüft werden mussten. Und auch die Fahrgäste hatten besondere Bestimmungen zu beachten. So verbot zu selben Zeit eine polizeiliche Vorschrift für den Oberamtsbezirk Geislingen das Ein- und Aussteigen während der Fahrt und das stehen bleiben auf den Trittbrettern. Weiter heißt es: "Das Rauchen ist verboten, ebenso das Ausspucken in den Wagen. Untersagt ist ferner Lärmen, Singen und Musizieren während der Fahrt und an den Haltestellen; das Sprechen mit dem Wagenführer". Für Zuwiderhandlungen wurden Geldstrafen bis zu 150 Mark oder Haft bis zu 14 Tagen angedroht!

 

1927 wurde der "Verband Süddeutscher Omnibuslinien e.V." mit Sitz in Stuttgart gegründet. Er war der Vorläufer des heutigen WBO und fasste die meisten Busbetreiber im Südwesten von der Pfalz bis ins Allgäu zusammen.

 

 

Nach dem Krieg

1950: fehlende Bruecken erschweren Nachkriegsfahrten, © HVB Wiest und Schürmann, Hechingen
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren zunächst kaum Fernstraßen befahrbar und die meisten Brücken waren gesprengt. Priorität genoss zunächst auch der Nahverkehr, um die Bevölkerung an die Arbeitsplätze zu bringen und die Versorgungsprobleme zu lösen. Die schlimmsten Engpässe stellten in den Nachkriegsjahren Reifen und Treibstoffe dar.

 

Am 7. Mai 1947 wurde in Fellbach der Verband Württemberg-Badischer Omnibusunternehmer (WBO) gegründet. Im September 1947 hatten mit 151 Unternehmen 80 % aller Omnibusbetriebe der damaligen Länder Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern die Mitgliedschaft beim WBO beantragt. Ebenfalls im Jahr 1947 gründeten die Unternehmer des Landes Baden den SBO - Verband Südbadischer Omnibusunternehmer.

 

Seit der Freigabe des Gelegenheitsverkehrs (Reiseverkehrs) im Jahr 1949 wurden die Nachkriegstage des Omnibuswesens überraschend schnell von einer neuen Epoche abgelöst. Mit steigendem Wohlstand begann die große Zeit der Reisen in Deutschland und ins benachbarte Ausland. Mangels eigenem Auto waren die immer bequemeren Reisebusse für die meisten Menschen erste Wahl.
Auch im Linienverkehr ging es schnell wieder bergauf, um die große Nachfrage zu Zeiten des Wirtschaftswunders flexibel abdecken zu können. Schon 1949 war das Liniennetz der privaten Unternehmer der Bizone (95.382 km) doppelt so groß wie das aller anderen Verkehrsträger zusammen (47.119 km).

 

1947 WBO Mitgliedsausweis Pflieger Buch1 S128 web2WBO-Mitgliedsausweis der Firma Pflieger Reise- und Verkehrs-GmbH, Böblingen Mitte 1950 fuhren über 900 Omnibusse der privaten Unternehmer, 33 Bundesbahn- und 210 Postomnibusse auf württemberg-badischen Straßen.

 

Nach der schnellen Entwicklung im Omnibusgewerbe folgten Jahre der Konsolidierung, nicht zuletzt ausgelöst durch den mit wachsendem Wohlstand immer stärker werdenden Individualverkehr.

 

Die Länderfusion 1952 wurde von den Busunternehmerverbänden erst 1976 vollzogen, als sich WBO und SBO zum Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer e.V. zusammenschlossen. Die bekannte und bewährte Abkürzung WBO führte der neue Verband weiter.

 

 

Gegenwart

Der starke Wettbewerb mit dem PKW, aber auch mit Bahn und Flugzeug, haben in den letzten Jahren ihre Spuren hinterlassen. In den letzten 25 Jahren sind rund ein Fünftel der Privaten Verkehrsunternehmen vom Markt verschwunden. Die Tendenz geht zu weniger, dafür größeren Unternehmen. Insbesondere der Sektor der staatlichen und kommunalen Verkehrsbetriebe konnte in den letzten Jahrzehnten deutlich zulegen. Auch europäische Verkehrskonzerne haben sich inzwischen im Land eingekauft. Dennoch: Im Vergleich zu anderen Ländern und Regionen gibt es in Baden-Württemberg noch eine funktionierende mittelständische Struktur im Verkehrsbereich. Es ist eine wichtige Aufgabe aller Beteiligten, diese Struktur für die Zukunft zu sichern und auch wieder für Wachstum zu sorgen.

 

Linienverkehr

 

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Private Busunternehmen sind auf fast der Hälfte des Baden-Württembergischen Busliniennetzes unterwegs. Dabei gehören Schüler- und Überlandverkehre im ländlichen Raum genau so zum Programm wie Stadtverkehre in den Ballungszentren des Landes. Durch die fast flächendeckende Einführung von Verkehrsverbünden, viele davon durch die Unternehmen organisiert, haben sich die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren stak geändert. Kundenservice steht im ÖPNV mehr denn je im Mittelpunkt. Sorgen bereitet jedoch die Tendenz, dass die öffentliche Hand immer mehr Kompetenzen für sich reklamiert und so in einigen Bereichen kaum noch Platz für unternehmerische Initiative und Gestaltung für den Fahrgast bleibt. Stattdessen wollen einige Gebietskörperschaften nur den billigsten Lohnkutscher auf Zeit, dabei wird das private Omnibusgewerbe aber zwangsläufig auf der Strecke bleiben.

 

Reiseverkehr

 

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Im Reiseverkehr müssen sich die privaten Omnibusunternehmer einem scharfen Wettbewerb mit subventionierten Anbietern auf der Schiene und in der Luft stellen, die dem Reisebus immer mehr Anteile an einem eigentlich wachsenden Markt abnehmen. In den letzten zehn Jahren haben die Busunternehmen im Reiseverkehr mehr als 20% ihrer Fahrgäste und Einnahmen verloren.
Besonders ärgerlich sind dabei Angebote des Staatskonzerns Deutsche Bahn AG wie das „Baden-Württemberg-Ticket“ oder das „Schöne-Wochenende-Ticket“, die speziell Gruppen zu Billigstpreisen in die Züge locken sollen und von der Bahn nur angeboten werden können, weil diese jedes Jahr Millionensubventionen vom Land erhält, die sie nicht transparent verwenden muss.

 

Anmietverkehr


Im Linienverkehr sind private Verkehrsunternehmen nicht nur auf eigenen Linien, sondern auch im Auftrag anderer Verkehrsbetreiber unterwegs. So werden über 50% der Leistungen der DB-Regionalbusgesellschaften und knapp 20% der Leistungen kommunaler Verkehrsbetriebe von privaten Unternehmen im Auftrag erbracht.

 

 

Bildleiste/ © Landesbildstelle Württemberg, Stuttgart

Ulrike Schäfer

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