Auf dem Tag des Bustourismus in Stuttgart wurden Kooperationen als strategische Antwort auf die aktuellen Herausforderungen der Branche diskutiert
Mehr Schulterschluss, weniger Ellbogen: Unter diesem Leitmotiv standen die Diskussionen auf dem „Tag des Bustourismus“, der am 20. Januar in Stuttgart rund 150 Fachbesucher zusammenbrachte. Die vom Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) gemeinsam mit der Gütegemeinschaft Buskomfort (gbk) organisierte Tagung fand im Rahmen der Urlaubsmesse CMT statt und widmete sich insbesondere der Frage, wie Kooperationen und neue Vertriebsansätze zur Bewältigung der aktuellen Branchenherausforderungen beitragen können.
In ihrer Einführung machte WBO-Vizepräsidentin Carolin Grötzinger die Bedeutung des Tagungsthemas „Transformationsprozesse in der Bustouristik“ deutlich: „Die Wünsche der Kunden werden immer individueller. Darauf kann die Branche reagieren, indem sie ihre klassischen Stärken mit moderner Technik verbindet.“
Gemeinsam an Lösungen arbeiten Das aktuelle WBO-Trendbarometer zeigt, mit welchen konkreten Herausforderungen Busreiseveranstalter in Baden-Württemberg konfrontiert sind. Michael Schmelzle, stellvertretender WBO-Geschäftsführer, stellte die Ergebnisse der Umfrage vor: Weniger als die Hälfte der befragten Unternehmen beurteilt die wirtschaftlichen Aussichten für Tagesfahrten und Pauschalreisen in diesem Jahr als gut oder sehr gut. Im Mietbusgeschäft hingegen äußerten sich 63 Prozent optimistisch. Neben steigenden Kosten stellt insbesondere der Mangel an Personal für rund die Hälfte der Befragten ein zentrales Problem dar. Zwei Drittel der Unternehmen planen, künftig verstärkt neue Technologien und Künstliche Intelligenz einzusetzen. „Die Branche wird digitaler“, fasste Schmelzle zusammen.
Neben technologischen Innovationen setzt Anne Schweizer, Mitglied der Geschäftsleitung von Schweizer Reisen in Waldachtal, auf starke Netzwerke und einen offenen Führungsstil, um dem steigenden Investitions- und Wettbewerbsdruck – etwa durch politische Vorgaben zur Elektrifizierung der Flotten – zu begegnen. Sie plädierte für Kooperationen, in denen mehrere Unternehmen gemeinsam Lösungen entwickeln, Fahrzeuge und Personal teilen oder beispielsweise eine Fachkraft für Social Media gemeinsam beschäftigen. „Wenn Kooperationen nicht nur punktuell, sondern strukturell gedacht werden, kann der Mittelstand ein wirksames Gegengewicht zu großen Konzernen bilden“, betonte Schweizer.
Dass solche Ansätze bereits funktionieren, zeigt sich aus ihrer Sicht in Zusammeschlüssen wie „Bus dich weg“ oder der Interessengemeinschaft des Personenverkehrsgewerbes in Baden-Württemberg (IGP), über die Busunternehmen ein breites Spektrum an Waren und Dienstleistungen zu vergünstigten Konditionen beziehen können. Voraussetzung für den weiteren Ausbau solcher Modelle sei jedoch die Bereitschaft zum Kompromiss und zur Überwindung einer oft tief verankerten Ellbogenmentalität.
Dynamisch auf den Markt reagierenEinen weiteren fachlichen Impuls setzte Michael Eberlei von der Milzer GmbH mit seinem Vortrag zum Thema „Dynamic Packaging“. Das aus der Touristikbranche bekannte Konzept beschreibt die Möglichkeit, Reiseleistungen in Echtzeit individuell zu Pauschalreisen zu bündeln. Dadurch können Transport- und Leistungskapazitäten voneinander getrennt sowie Verlässlichkeit und Flexibilität miteinander kombiniert werden. Auf Nachfragen aus dem Publikum verwies Eberlei darauf, dass entsprechende Anwendungen in der Bustouristik bislang noch nicht praxisbezogen umgesetzt sind. Er ordnete seinen Vortrag daher als konzeptionellen Denkanstoß ein.
Harald Steidle aus dem Fachbereich Marketing & Vertrieb der Landesgartenschau Ellwangen sowie Johannes Scheiger, Referent für nachhaltige Mobilität bei der OK.go Mobilitäts AG, machten schließlich Lust auf eine Busreise an die Jagst. Vom 24. April bis zum 4. Oktober 2026 präsentiert sich die Ellwanger Landesgartenschau auf einer Fläche von mehr als 26 Hektar mit einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm.
„Der Bustourismus ist zukunftsfähig, innovativ und bereit, neue Wege zu gehen“, zog Martin Becker, Geschäftsführer der gbk, ein positives Fazit. „Voraussetzung dafür sind ein offener Austausch, das Lernen voneinander und der gemeinsame Wille, Veränderungen aktiv zu gestalten.“ Im Rahmen der Veranstaltung zeichneten WBO und gbk zudem busfreundliche Destinationen aus.






